Go, go, E-Gadget! – E-Scooter sind in Deutschland ab dem Sommer erlaubt

E-scooter Führschein Zulassung - Quelle : Unsplash
E-scooter Führschein Zulassung - Quelle : Unsplash

E-Scooter sind eine sinnvolle Mobilitätsalternative im alltäglichen Leben. Gerade in Städten können die Roller die Verkehrssituation entlasten, da sie das perfekte Tool für die „last mile“ sind und beispielsweise auf dem Weg von der U- oder S-Bahn ins Büro genutzt werden können. Zudem macht das Fahren auf den wendigen kleinen E-Rollern enorm Spaß und das Gefühl von Leichtigkeit beim Frischluft-Cruisen kann schnell süchtig machen.
Doch bisher war die Gesetzeslage und die Fragen “Wann” und “Wo” die E-Scooter wirklich genutzt werden dürfen unklar. Das hat seit letztem Freitag ein Ende: Denn am 17. Mai 2019 ist der „Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung“ des Verkehrsministeriums im Bundesrat offiziell zugestimmt worden! Eine gute Nachricht für alle Pendler und E-Scooter Fans in Deutschland, denn damit können die praktischen Flitzer in Zukunft endlich legal in Deutschland herumdüsen.

Alles was jetzt zum Thema E-Scooter wichtig wird - Quelle : Segway.com
Alles was jetzt zum Thema E-Scooter wichtig wird – Quelle : Segway.com

Mit der Zustimmung der Verordnung ist die erste große Hürde geschafft und das Ministerium arbeitet nun mit Hochdruck an der Umsetzung. Einen genauen Termin und eine hundertprozentig verlässliche Richtlinie, wie E-Scooter in Zukunft auf deutschen Straßen fahren dürfen, steht immer noch nicht fest, aber ab „diesem Sommer“, so hieß es während der Abstimmung im Bundesrat, soll die Verordnung endgültig in Kraft treten. Damit kann die schönste Zeit des Jahres ausgiebig für feinsten Elektro-Spaß auf zwei kleinen Rädern genutzt werden.

E-Scooter gehen an den Start: Hier findest Du alles Wichtige!

Auch wenn das Verkehrsministerium noch an der Umsetzung tüfteln muss, sind schon viele wichtige Informationen rund um das Fahren mit einem E-Scooter am Start – die Antworten auf die wichtigsten Fragen haben wir hier für euch zusammengefasst:

Wer darf E-Scooter im öffentlichen Raum fahren?

Jede Person ab 14 Jahren darf E-Scooter fahren.

Wo darf man mit den E-Scootern fahren?

Man darf auf Radwegen und – falls keiner vorhanden ist – auch auf der Straße fahren. Der Gehweg ist tabu, da es in anderen Ländern schon einige schwere Unfälle mit Fußgängern beim Fahren auf dem Trottoir gab. In Zukunft sollen zudem aber auch bestimmte Wege für E-Scooter individuell nutzbar gemacht werden, die dann mit einem „Elektrokleinstfahrzeuge frei”-Schild gekennzeichnet sind.

Mit welchen E-Scootern darf ich fahren?

Nur E-Scooter mit einer allgemeinen Betriebserlaubnis (ABE), die vom Kraftfahrtbundesamt erteilt wird, dürfen auf öffentlichen Straßen fahren. Die kann jeder Hersteller beantragen, damit man das jeweilige Modell legal überall in Deutschland bewegen darf. Natürlich müssen Kriterien wie beispielsweise zwei voneinander unabhängige Bremsen, eine Beleuchtung sowie eine Glocke vorhanden sein, damit die Scooter den Richtlinien der Verordnung entsprechen. Aber Achtung: Egal, ob Modelle diese Merkmale grundsätzlich aufweisen, erst wenn sie eine ABE haben – irgendwo am Scooter muss das samt einer entsprechenden Genehmigungsnummer vermerkt sein – dürfen die Roller im Straßenverkehr teilnehmen. Bei bereits auf dem Markt existierenden Modellen, kann der Hersteller die Erlaubnis jedoch auch nachträglich beantragen und den Roller so legal machen.
Aktuell haben nur extrem wenige E-Scooter eine allgemeine Betriebserlaubnis – alle diejenigen, die schon ein Exemplar besitzen müssen, bevor es auf die Straße geht, unbedingt prüfen, ob für ihren Roller nachträglich eine offizielle Zulassung beantragt und erwirkt wurde, sonst drohen beim Fahren im öffentlichen Raum empfindliche Strafen. Rechtsexperte Dr. Otto Bretzinger warnt deshalb: „Wer mit einem nicht zugelassenen Elektro-Tretroller am öffentlichen Straßenverkehr teilnimmt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Diese kann mit einem Bußgeld von bis zu 70 Euro und einem Punkt in Flensburg geahndet werden. Wiederholungstäter müssen damit rechnen, dass der Roller von der Polizei beschlagnahmt wird.“

Welcher Roller ist für mich sinnvoll? - Quelle : Seat-mediacenter
Welcher Roller ist für mich sinnvoll? – Quelle : Seat-mediacenter

Brauche ich eine Versicherung für meinen E-Scooter?

Eine Haftpflichtversicherung für den E-Scooter ist Pflicht. Diese kann man, bevor es losgeht, online oder in einem Versicherungsbüro abschließen. Je nach Alter und Anbieter liegen die Preise zwischen 30 und 90 Euro. Man bekommt nach erfolgreichem Abschluss dann eine Art Aufkleber bzw. Plakette, die man dann auf den E-Scooter kleben muss, um den Versicherungsschutz nachzuweisen.

Welcher Roller ist für mich sinnvoll?

Bei der Auswahl des richtigen E-Scooters ist – neben der oben genannten allgemeinen Zulassungsfähigkeit für den Straßenverkehr – laut Experten sehr wichtig, dass der Roller zu Körpergröße und -gewicht passt. Denn eine zu schmale Lenkstange oder ein schmales Stehboard kann nicht nur schnell unkomfortabel, sondern auch gefährlich werden. Ist der Akku beispielsweise in der Lenkstange integriert und man ist etwas größer und schwerer kann es schnell zu einer ungünstigen Gewichtsverteilung des Rollers kommen, die zu Stürzen führen kann. Deshalb sollte man vor dem Kauf eines E-Scooter immer eine Probefahrt machen, um zu sehen ob der Roller zu einem passt und man stabil und sicher auf ihm steht.
Auch das Thema Reifen ist sehr wichtig: Wenn man den E-Scootern wirklich gut im Alltag nutzen will, sollten möglichst große Räder verbaut sein. Auf nassem Kopfsteinpflaster, bei Spurrillen, Trambahnschienen und höheren Bordsteinkanten sind sie ein Schutz gegen brenzlige Situationen und Stürze.

Wie viel Power darf ich haben und wie schnell dürfen E-Scooter maximal sein?

Offiziell zugelassene E-Scooter dürfen maximal 20 km/h fahren. Die zulässige Leistung des Elektromotors ist auf 500 Watt begrenzt.

Welche Verkehrsregeln sollten beachtet werden?

E- Scooter Fahrer sollten bestimmte Verkehrsregeln beachten, da sonst Bußgelder drohen. Folgende Regeln sollten unbedingt eingehalten werden:

  • den Radweg nutzen oder, wenn keiner vorhanden ist, die Straße-NICHT auf dem Fußweg fahren
  • schnellere Radfahrer überholen lassen
  • keine Schlangenlinien fahren
  • stets beide Hände am Lenker halten, außer sie zeigen einen Richtungswechsel an
  • hintereinander statt nebeneinander fahren

Wird sich nicht an die Verkehrsregeln gehalten, drohen folgende Bußgelder:

  • Auf dem Gehweg oder nebeneinander fahren                     15€
  • Zu zweit auf dem E-Scooter fahren                                         10€
  • Über eine rote Ampel fahren                                              ab 60€ und 1 Punkt
  • Mit 0,5 Promille oder mehr auf dem E-Scooter fahren  ab 500€, 2 Punkte und ein Monat Fahrverbot

Was passiert wenn ich unter Alkoholeinfluss E-Scooter fahre?

Alkohol ist für viele Straßenverkehrsteilnehmer auf dem E-Scooter tabu. An eine Null PromilleGrenze müssen sich Fahranfänger und Autofahrer unter 21 Jahren auch auf den neuen wendigen Kleinstfahrzeugen halten. Wer mit Promille auf dem Scooter erwischt wird, begeht einen A-Verstoß. Dieser zieht eine Probezeitverlängerung von zwei Jahren und ein Aufbauseminar nach sich. Jene, ohne Führerschein, aber über 21 Jahren, oder Personen, die die Probezeit bereits bestanden haben, dürfen zumindest etwas Alkohol trinken: Bis zu 0,49 Promille sind auf deutschen Straßen im Auto und auf dem E-Tretroller erlaubt, wenn der Fahrer nicht auffällig fährt. Ist das allerdings der Fall (z. B. beim Fahren von Schlangenlinien), droht schon ab 0,3 Promille eine Geld- oder Freiheitsstrafe, was von einem Gericht festgelegt wird. Gleiches gilt für Fahrer, die mit 1,1 Promille oder mehr auf einem E-Tretroller unterwegs sind. Führerscheininhaber können außerdem ihre Fahrerlaubnis verlieren.

Diese Verstöße haben Auswirkungen auf die Fahrerlaubnis. Die Führerscheinstelle kann den Antrag zur Erteilung einer Fahrerlaubnis ablehnen. Denn: Wer mit mindestens 1,1 Promille Alkohol im Blut beim Fahren eines Kfz erwischt wird, kann von der Behörde zu einer MPU verpflichtet werden – auch wenn derjenige noch nicht einmal einen Führerschein besitzt. Darüber werden Verkehrssünder nach dem Verstoß nicht immer direkt in Kenntnis gesetzt. Erst nach einer erfolgreich bestandenen MPU steht der Fahrerlaubnis dann nichts mehr im Wege. Ab 1,6 Promille – egal ob auf dem Fahrrad, im Auto oder mit dem E-Scooter – ist eine MPU in der Regel unumgänglich, um den Führerschein (wieder) zu bekommen. In diesem Fall kann auch ein Abstinenznachweis gefordert werden, um den Führerschein machen zu dürfen.

Brauche ich einen E-Scooter-Führerschein oder Schutzkleidung?

Aktuell besteht für das Fahren von E-Scootern besteht keinerlei Führerscheinpflicht – man braucht nicht mal einen Mofa-Führerschein. Doch Sorge Unfällen und unübersichtlichen Situationen im Alltag wurden im Vorfeld der Zulassung immer von verschiedenen Stellen wieder geäußert. Diese Probleme könnten allerdings beispielsweise durch eine entsprechende Schulung und Sensibilisierung der Nutzer von E-Scootern verhindert werden.
Auch aus technischer Sicht macht ein zusätzliches Training Sinn, da ein E-Scooter bei niedrigem Akku-Stand plötzlich stoppen kann und den Fahrer damit überrascht. Diese Situation könnte geübt werden und die richtige Reaktion auf diese spezielle Situation hilft nicht nur dem Fahrer, sondern auch dem Umfeld. Eine Art E-Scooter-Führerschein oder zumindest ein Art Zertifikat könnte viele kritische Situationen im Alltag entschärfen.
Zudem besteht keine Helmpflicht. Das heißt natürlich nicht, dass man automatisch auf den hilfreichen Kopfschutz verzichten sollte. Sofern möglich immer Helm tragen!

Geduld ist die Mutter der Elektro-Kiste

Auch wenn es jeden E-Scooter Fan schon in den Fingern kribbeln dürfte, heißt es aktuell noch: Langsam mit den jungen E-Pferden! Bis zur finalen Freigabe ist das Fahren auf der Straße mit jeder Art E-Scooter immer noch nicht offiziell erlaubt. Sobald aber der Startschuss an dem die E-Scooter dann offiziell auf die Straße gehen dürfen, in den nächsten Wochen gefallen ist, informieren wir euch hier sofort. Ihr erfahrt es garantiert als erstes, damit der sorgenfreie Elektro-Spaß auf den Straßen für euch endlich losgehen kann!

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