Automatik oder Handschaltung – Vor- und Nachteile für Fahranfänger

Automatik oder Handschaltung - Quelle : Unsplash
Automatik oder Handschaltung - Quelle : Unsplash

Autos mit Automatikgetriebe sind hierzulande wenig verbreitet

Obwohl Automatikgetriebe mit der Zeit immer besser geworden sind und viele herkömmliche Probleme, wie langsame und ruckartige Schaltvorgänge, längst der Vergangenheit angehören, liegt selbst in der aktuellen Zulassungsstatistik der Anteil von Automatikfahrzeugen bei weniger als 20 Prozent. Mit dieser Einstellung sind die Deutschen übrigens nicht allein, generell sind in Europa Autos mit manuellem Getriebe die Regel. Doch woran liegt es, dass Automatikgetriebe hierzulande so wenig beliebt sind und welche Vor- und Nachteile

Automatikgetriebe bieten vor allem Anfängern einige Vorteile

Vor allem Fahranfängern bieten automatische Getriebe einige Vorzüge. Zunächst einmal ist das Fahren mit Automatik gerade für Anfänger oft einfacher und intuitiver. Fahranfänger sind oftmals mit der simultanen Bedienung der Schaltung und der Konzentration auf den Verkehr überfordert. Fällt das ständige Arbeiten mit Kupplung und Schalthebel fort, ist es viel einfacher, zuerst einmal den Verkehr im Blick zu behalten, zumal man sich nicht ständig die Frage stellen muss, welcher Gang gerade der geeignetste ist.
Auch das gefürchtete Abwürgen des Motors ist mit einem Automatikgetriebe nicht möglich. Fahrzeuge mit Automatik fahren ganz von selbst an, sobald der Fahrer seinen Fuß vom Bremspedal nimmt. Gerade in hektischen Situationen, in denen ein Abwürgen des Motors schnell einmal passieren kann und dann den Stressfaktor noch weiter erhöht wird, bringen Automatikgetriebe deshalb eine deutliche Erleichterung für den Fahranfänger.
Dies gilt insbesondere bei dem von vielen Fahrschülern gefürchteten Anfahren am Berg. Während man dazu bei einem Schaltwagen simultan mit Handbremse, Kupplung und Gaspedal arbeiten und eine Menge Feingefühl an den Tag legen muss, geht das Anfahren am Berg mit einem Automatikfahrzeug wie von selbst. Wird der Fuß von der Bremse genommen, so wird das Fahrzeug wie von Geisterhand an der Steigung gehalten und rollt keinen Zentimeter zurück. Sobald das Gas betätigt wird, fährt der Wagen ohne Umstände los. Das Anfahren am Berg ist dadurch kein bisschen schwieriger als in der Ebene.
Angenehm ist die Automatik auch immer dann, wenn man in einen Stau gerät. Das ständige Stop and Go geht bei einem Schaltwagen mit der Zeit gehörig auf die Füße und auf die Nerven, der Automatikfahrer kann dagegen ganz lässig bleiben.

Automatik oder Handschaltung - Quelle : Unsplash
Automatik oder Handschaltung – Quelle : Unsplash

Das Fahren mit Automatik hat auch seine Tücken

Das Fahren mit Automatik ist aber auch nicht in jeder Beziehung völlig unbeschwert. Während ein Fahrer, der mit einem Schaltgetriebe versiert umzugehen weiß, das Fahrzeug immer so zu steuern vermag wie es seinem Willen entspricht, besteht bei einem Automatikgetriebe immer die Gefahr, dass es die Wünsche des Fahrers fehlinterpretiert. Oft kommt es vor, dass Automatikfahrzeuge bei gleichbleibend niedrigen Geschwindigkeiten mit einer unangemessen hohen Drehzahl fahren oder bei zu zaghaft ausgeführtem Beschleunigen zu früh in den nächsthöheren Gang wechseln. Weiterhin gehört auch einige Übung dazu, dem Automatikgetriebe zu vermitteln, wann es wieder herunterschalten soll, etwa zum Überholen. Viele moderne Automatikgetriebe sind heute jedoch auch mit einem halbautomatischen Fahrmodus ausgestattet. Das bedeutet, der Fahrer kann bei Bedarf durch Vor- oder Zurückbewegen des Schalthebels auch selbst in den Gangwechsel eingreifen. Es handelt sich hierbei um eine sogenannte Halbautomatik.
Weiterhin bereitet gerade das Einparken, ohnehin bei Fahrschülern eine unbeliebte Übung, dem Anfänger mit einem Automatikauto mehr Probleme als Nutzen. Während bei einem Schaltwagen auch kleine Abstände mit relativ großer Präzision durch fein dosiertes Schleifenlassen der Kupplung gemeistert werden können, ist die Automatik hier viel grober, denn sie kennt nur die Zustände anfahren und stoppen. Enge Parklücken geraten aufgrund dieser Besonderheit des Automatikgetriebes für Ungeübte schnell zur Geduldsprobe.

Ein Automatikfahrzeug als erstes Auto?

Fahrzeuge mit Automatikgetriebe sind für Fahranfänger meist nicht erschwinglich, denn sie sind üblicherweise teurer als Exemplare mit manuellem Getriebe und auf dem Gebrauchtmarkt ist die Auswahl vergleichsweise gering. Vor allem die günstigen und bei Fahranfängern beliebten Kleinwagen wie Opel Corsa, Ford Fiesta, VW Polo oder Peugeot 207 sind mit Automatikgetriebe so selten anzutreffen wie das berühmte vierblättrige Kleeblatt. Erst bei Gebrauchtfahrzeugen der Mittelklasse sind Automatikgetriebe häufig vertreten, doch welcher Fahranfänger kann sich schon einen Audi A6, eine E-Klasse oder einen 5er BMW leisten? Hinzu kommen die höheren Treibstoffkosten. Vor allem ältere Fahrzeuge aus den 90er und 2000er Jahren verbrauchen mit Automatik im Durchschnitt mindestens einen ganzen Liter mehr auf hundert Kilometer.
Im Stadtverkehr kann der Mehrverbrauch noch deutlich darüber liegen. Lediglich die modernsten Automatikgetriebe weisen gegenüber Schaltgetrieben kaum noch einen Mehrverbrauch auf,  doch ein Neuwagen kommt ja für die allermeisten Fahranfänger nicht in Betracht. Auch das Risiko technischer Defekte ist größer. Während ein Schaltgetriebe bei halbwegs sorgfältigem Umgang ein ganzes Autoleben lang hält und praktisch keine Wartung benötigt, sind Automatikgetriebe gerade im Alter deutlich störanfälliger, vor allem, wenn nicht regelmäßig ein Getriebeölwechsel durchgeführt wurde. Hinzu kommt noch, dass ein Automatikgetriebe den Fahrer bei Defekten oftmals mit einem Totalausfall konfrontiert und der Austausch am Ende mit einigen tausend Euro zu Buche schlagen kann. Wer sich als erstes Auto ein Automatikfahrzeug zulegen möchte, der sollte deshalb im Voraus mögliche Folgekosten genau kalkulieren.

Ist es wahr, dass einen Führerschein nur für Automatikgetriebe gibt?

Tatsächlich besteht die Möglichkeit, den Führerschein nur für das Führen eines Fahrzeugs mit Automatikgetriebe abzulegen. Während ein konventioneller Führerschein der Klasse B dem Inhaber immer auch das Führen von Automatikfahrzeugen gestattet, beschränkt sich der Automatik-Führerschein im Umkehrschluss nur auf Autos mit automatischem Getriebe. So besagt es Paragraph 17, Absatz 6 der Fahrerlaubnis-Verordnung. Dieser Führerschein ist jedoch in Deutschland selten, was nicht zuletzt an dem geringen Verbreitungsgrad des Automatikgetriebes hierzulande liegt.
Für Fahrschüler, die mit der Handschaltung auch nach längerer Zeit partout nicht zurecht kommen und sich zusätzlich vom Verkehr überwältigt fühlen, kann es durchaus eine sinnvolle Alternative sein, zuerst nur den Automatik-Führerschein abzulegen.
Demgegenüber stehen jedoch auch einige erhebliche Nachteile. Der gravierendste ist, wie eingangs schon erwähnt, dass der Automatik-Führerschein seinen Besitzer zwingend an ein Auto mit automatischem Getriebe bindet. Mit einem reinen Automatik-Führerschein ist man im Alltag schnell aufgeschmissen, zum Beispiel wenn es gilt, mal eben den Wagen eines Freundes oder Verwandten zu steuern, eine Probefahrt zu machen, einen Mietwagen auszuleihen oder ein Ersatzfahrzeug zu beschaffen, wenn das eigene Auto in die Werkstatt muss. Wer seine Führerscheinprüfung mit einem handgeschalteten Fahrzeug absolviert, dem steht es dagegen völlig frei, auch ein Auto mit Automatikgetriebe zu fahren.
Fahrschulen, die einen reinen Automatik-Führerschein anbieten, sind zudem hierzulande in der Minderheit. Aufgrund des geringen Verbreitungsgrades von Automatikgetrieben in Deutschland ist dies auch kein Wunder, denn der reine Automatik-Führerschein wird vergleichsweise selten nachgefragt. Abseits von Großstädten finden sich daher meist keine entsprechenden Anbieter. Hinzu kommt, dass Fahrstunden mit einem Automatikfahrzeug oft auch ein wenig teurer sind. Die höheren Anschaffungskosten für das Fahrzeug und der höhere Spritverbrauch, kombiniert mit der geringeren Nachfrage nach dieser Führerscheinform, schlagen hierbei zu Buche. Allerdings können sich die Kosten relativieren, wenn der Fahrschüler aufgrund der leichteren Fahrzeugbedienung am Ende weniger Fahrstunden bis zur Prüfung benötigen sollte.
Was aber kann man tun, wenn man trotz eines Automatik-Führerscheins irgendwann zum Schaltwagen wechseln möchte? Die gute Nachricht: Der Inhaber eines Automatik-Führerscheins ist nicht dazu verdammt, die komplette Fahrschule noch einmal durchlaufen zu müssen. Es genügt, die praktische Fahrprüfung mit einem handgeschalteten Wagen zu wiederholen. Nun ergibt sich allerdings das folgende Dilemma: Da sich für den Inhaber eines Automatik-Führerscheins das Fahren einen Schaltwagens im Bereich der Straßenverkehrsordnung von selbst verbietet, kann im Straßenverkehr nicht vorher geübt werden. Im Regelfall könnte daher doch noch die ein oder andere zusätzliche Fahrstunde fällig werden. Wer Geld und Zeit sparen möchte, der sollte auf jeden Fall zumindest das Anfahren und Rangieren auf einem Privatgrundstück üben, bis alle Handgriffe richtig sitzen.

Fazit: Ist ein Automatikfahrzeug für Fahranfänger sinnvoll? Vor und Nachteile

Autos mit Automatikgetriebe bieten Fahranfängern einen nicht von der Hand zu weisenden Vorzug, denn sie lassen sich im Vergleich zu handgeschalteten Fahrzeugen selbst von Anfängern spielend leicht bedienen. Allerdings weisen sie ihre eigenen Besonderheiten auf und können den Fahrer manchmal auch frustrieren. Auch sind die höheren Anschaffungs- und Unterhaltskosten gegenüber einem Fahrzeug mit Handschaltung zu bedenken, wenn gleich das erste eigene Auto ein Automatikfahrzeug sein soll. Die Fahrschule nur mit einem Automatikfahrzeug zu absolvieren kann in manchen Fällen sinnvoll sein, führt jedoch später zu vielen Einschränkungen.
Hier noch einmal alle Vor- und Nachteile beider Getriebearten auf einen Blick

Handschaltung :
  • (+) langlebig und wartungsarm
  • (+) günstiger in der Anschaffung
  • (+) größere Auswahl auf dem Gebrauchtmarkt
  • (+) geringerer Treibstoffverbrauch
  • (+) bietet versierten Fahrern mehr Kontrolle
  • (-) Mehrbelastung des Fahrers durch Bedienung von Kupplung und Schalthebel
Automatik :
  • (+) entlastet den Fahrer vom Gangwechsel
  • (-) weniger Einflussmöglichkeiten (Ausnahme: Halbautomatik)
  • (-) teurer in der Anschaffung
  • (-) geringere Auswahl an Gebrauchtfahrzeugen
  • (-) in der Regel höherer Treibstoffverbrauch
  • (-) wartungsintensiver und defektanfälliger

 
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